Skip to content
Herkunft · Isfahan

Was ist ein Kaschan-Teppich?

Ein Kaschan ist ein handgeknüpfter Teppich aus der zentraliranischen Oasenstadt Kaschan am Rand der Salzwüste. Er gilt als der Inbegriff des klassischen Perserteppichs: ein ausgeprägtes zentrales Medaillon mit Eckzwickeln auf sattem, meist rotem Grund, umgeben von einer breiten Bordüre.

Handgeknüpfter Kaschan-Teppich, Gesamtansicht

Das Wichtigste in Kürze

  • Kaschan war schon im 16. Jahrhundert eine Seidenweberstadt, lange bevor dort Teppiche entstanden. Diese Textiltradition prägt die Qualität bis heute.
  • Das Bild, das die meisten Menschen vor Augen haben, wenn sie „Perserteppich" hören, ist im Kern ein Kaschan: rotes Feld, zentrales Medaillon, Eckzwickel, breite Bordüre.
  • Typisch sind 321.000 bis 380.000 Knoten pro Quadratmeter — die Spanne reicht aber von grob bis sehr fein, weiter als bei fast jeder anderen Herkunft.
  • Der Begriff „Manchester-Kaschan" bezeichnet eine historische Sonderqualität mit importierter australischer Merinowolle, keine Herkunft aus England.
  • Rund 12 Millimeter Flor aus handgesponnener Wolle machen ihn weicher unter dem Fuss als die flach geknüpften Manufakturteppiche.

Herkunft: erst Seide, dann Teppiche

Kaschan liegt am Westrand der Salzwüste Dascht-e Kawir, etwa auf halbem Weg zwischen Teheran und Isfahan. Die Stadt lebte jahrhundertelang von Wasser aus unterirdischen Kanälen und von einem Handwerk, das mit Teppichen zunächst nichts zu tun hatte: der Seidenweberei.

Im 16. und 17. Jahrhundert war Kaschan eine der wichtigsten Seidenstädte des Safawidenreichs. Brokate und Samte von dort gingen nach Europa. Die Teppichknüpferei kam später und baute auf dem auf, was schon da war — ein Verständnis für feines Garn, für Farbe und für Musterzeichnung.

Diesen Ursprung sieht man dem Kaschan an. Seine Entwürfe sind gezeichnet, nicht erinnert; die Symmetrie ist streng, die Bordürenführung sauber gelöst. Es ist ein Stadtteppich in jeder Hinsicht.

Das Medaillon, das alle kennen

Wenn Menschen „Perserteppich" sagen, meinen sie meist ein bestimmtes Bild: ein rotes Feld, in der Mitte ein grosses, spitz zulaufendes Medaillon, in den vier Ecken passende Zwickel, ringsum eine breite Bordüre mit Ranken. Dieses Bild ist im Kern der Kaschan.

Der Aufbau folgt einer klaren Logik. Das Medaillon ist das Zentrum, die Eckzwickel sind seine Viertel — sie wiederholen dieselbe Form, an den Ecken angeschnitten. Zwischen beiden bleibt Feld, meist mit feinen Ranken gefüllt. Die Bordüre rahmt und schliesst ab.

Für die Raumplanung folgt daraus eine Konsequenz, die oft übersehen wird: Ein Medaillonteppich braucht seine Mitte. Steht ein grosser Couchtisch darauf, sieht man den Rahmen und nicht das Bild. Wer viel Möbel auf der Fläche hat, fährt mit einem durchgemusterten Sarough besser. Der Ratgeber zur Teppichgrösse rechnet die üblichen Anordnungen durch.

Was „Manchester-Kaschan" bedeutet

Im Handel begegnet Ihnen der Begriff „Manchester-Kaschan" — und er führt zuverlässig in die Irre. Diese Teppiche kommen nicht aus England.

Der Hintergrund ist ein Handelsweg. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert kam feine australische Merinowolle über die Spinnereien von Manchester nach Persien. Kaschaner Werkstätten verarbeiteten sie zu besonders weichen, glänzenden Teppichen. Die Wolle war importiert, der Teppich blieb persisch.

Heute ist der Begriff eine historische Kategorie und beschreibt Stücke aus dieser Periode. Auf zeitgenössischer Ware verwendet, ist er bestenfalls eine Anmutung. Fragen Sie im Zweifel nach Wollherkunft und Alter statt nach dem Namen — bei uns steht die Altersspanne bei jedem Stück in den Angaben.

So prüfen Sie einen Kaschan

Die Knotendichte streut bei dieser Herkunft weiter als bei fast jeder anderen. Umso mehr lohnt die Prüfung am Stück:

  1. Die SymmetrieVergleichen Sie gegenüberliegende Eckzwickel. Bei einem Kartonteppich sollten sie sich entsprechen. Grosse Abweichungen sind hier ein Verarbeitungsmangel, kein Charme.
  2. Die EckenlösungSehen Sie sich an, wie die Bordüre um alle vier Ecken läuft. Sauber umgelenkte Ecken sind der beste Einzelindikator für die Sorgfalt insgesamt.
  3. Die RückseiteDas Muster muss von hinten klar lesbar sein. Bei 321.000 Knoten und mehr sind die Konturen scharf; verwaschene Linien deuten auf gröbere Knüpfung als angegeben.
  4. Das RotKaschaner Krapprot ist tief und leicht bläulich. Ein grelles oder ins Orange gehendes Rot kann auf chemische Farbe oder Nachbehandlung hindeuten.
  5. Der FlorRund 12 Millimeter aus handgesponnener Wolle fühlen sich weich und leicht ungleichmässig an. Schnurgerades, sehr gleichmässiges Garn deutet auf Maschinenspinnung.

Wofür sich ein Kaschan eignet

Der Kaschan ist ein Wohnzimmerteppich. Der weiche Flor ist angenehm unter blossen Füssen, das satte Rot bringt Wärme in Räume, die sonst kühl geraten, und das Medaillon gibt der Sitzgruppe eine Mitte.

Er braucht dafür Fläche. Das verbreitete Format von rund 220 × 145 cm liegt gut vor einem Sofa oder in einem kleineren Raum; für eine vollständige Sitzgruppe, bei der alle Möbel mit den Vorderbeinen aufstehen, sind grössere Formate die bessere Wahl.

In einem modern eingerichteten Raum ist er die mutigere Entscheidung. Das klassische Medaillon behauptet sich; wer Zurückhaltung sucht, findet sie eher bei einem Nain oder Ravar. Wer dagegen genau dieses Bild will — den Perserteppich, wie er im Kopf existiert — bekommt ihn hier.

Pflege

Ein dichter Wollflor von 12 Millimetern nimmt Staub auf und gibt ihn beim Saugen wieder ab. Saugen Sie in Florrichtung und ohne rotierende Bürste, die bei handgesponnenem Garn Fasern herauszieht.

Rotwein auf rotem Grund ist die günstigere Ausgangslage, aber die Regel bleibt: sofort abtupfen, niemals reiben. Reiben arbeitet den Farbstoff in die Faser, statt ihn herauszuholen.

Bei Stücken mit Seidenkonturen gilt zusätzlich, was für alle konturierten Teppiche gilt: keine Klopfbürste, und bei der professionellen Reinigung ausdrücklich auf den Seidenanteil hinweisen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Bei keiner anderen Herkunft in diesem Haus streut die Knotendichte so weit wie beim Kaschan. Zwischen dem gröbsten und dem feinsten Stück liegt mehr als der Faktor sechs. Der Name allein sagt deshalb wenig über die Qualität.

Lassen Sie sich die Dichte nennen und prüfen Sie sie an der Rückseite gegen. Was zum Entwurf passt, ist wichtiger als eine hohe Zahl: Ein Medaillon mit feinen Ranken braucht Dichte, ein grosszügig gezeichnetes nicht. Mehr dazu im Ratgeber zur Knotendichte.

Zweitens die Wolle. Handgesponnenes Garn ist im Durchmesser leicht ungleichmässig und nimmt Licht lebendiger auf. Der Unterschied zu Maschinengarn ist mit der Hand zu spüren und auf dem Foto nicht zu sehen.

Und drittens die Herkunft. „Kaschan" bezeichnet im Handel auch ein Muster, das anderswo nachgeknüpft wird. Solche Stücke sind legitim, aber es sind keine Kaschan aus Kaschan. Achten Sie auf das ausgewiesene Ursprungsland, nicht nur auf den Namen.

Kaschan oder Sarough?

Beide sind klassische persische Blumenteppiche in warmen Rottönen und werden häufig gegeneinander abgewogen. Der Unterschied entscheidet sich am Layout — und daran, wie viel Freiraum Sie haben.

KriteriumKaschanSarough
Layoutausgeprägtes Medaillonmeist durchgemustert
Knotendichtetypisch 321.000–380.000 / m²typisch 201.000–250.000 / m²
Möbel auf der Flächeverdecken die Kompositionunproblematisch
Zeichnungfein, streng symmetrischgrosszügiger, dörflicher
Wirkungrepräsentativwohnlich

Zum ausführlichen Ratgeber: Was ist ein Sarough-Teppich?

Häufige Fragen

Was ist ein Manchester-Kaschan?

Ein Kaschan aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, geknüpft aus feiner australischer Merinowolle, die über die Spinnereien von Manchester nach Persien kam. Die Wolle war importiert, der Teppich persisch. Der Begriff bezeichnet eine historische Qualität, keine englische Herkunft.

Warum sind Kaschan-Teppiche fast immer rot?

Weil Krappwurzel verfügbar war und das tiefe, leicht bläuliche Rot zur Signatur der Stadt wurde. Es gibt Kaschan auf Elfenbein oder Indigo, sie sind aber die Ausnahme. Wer den klassischen Perserteppich sucht, sucht in aller Regel genau dieses Rot.

Warum schwankt die Knotendichte so stark?

Weil Kaschan über Jahrzehnte in sehr unterschiedlichen Qualitätsstufen produziert hat — von robuster Gebrauchsware bis zu feinen Werkstattarbeiten mit Seide. Der Name allein sagt deshalb wenig; die Dichte muss genannt und an der Rückseite nachprüfbar sein.

Passt ein Kaschan in ein modernes Zuhause?

Es ist die mutigere Wahl. Das klassische Medaillon behauptet sich und nimmt sich nicht zurück. In einem Raum mit reduzierten Möbeln kann genau dieser Kontrast reizvoll sein. Wer Zurückhaltung will, ist bei Nain, Ravar oder Drokhsch besser aufgehoben.

Wie viel Platz braucht das Medaillon?

So viel, dass die Mitte frei bleibt. Ein Couchtisch darauf ist vertretbar, ein Sofa quer über dem Medaillon nicht — dann sieht man den Rahmen und nicht das Bild. Wer viel Möbel auf der Fläche hat, sollte zu einem durchgemusterten Entwurf greifen.

Ist ein Kaschan mit Seide besser?

Anders. Seide sitzt meist in den Konturen und hebt die Zeichnung im Streiflicht hervor; sie macht den Teppich nicht haltbarer, sondern präziser in der Wirkung. Für den Alltagsgebrauch ist ein reiner Wollflor die unkompliziertere Wahl.

Muster im Überblick

Dieselbe Herkunft, verschiedene Entwürfe. Die Layouts, die Ihnen bei einem Kaschan-Teppich am häufigsten begegnen.

Kaschan-Teppiche ansehen

Jedes Stück im Showroom in Hamburg, mit vollständigen Angaben zu Knüpfung, Material und Herkunft.

Zur Kollektion