Senneh oder Sanandadsch — warum zwei Namen?
Sanandadsch heißt die Stadt heute, Senneh hieß sie früher. Im internationalen Teppichhandel hat sich der alte Name gehalten, weil er seit dem neunzehnten Jahrhundert auf Etiketten und in Katalogen steht. Wer nach Senneh sucht und wer nach Sanandadsch sucht, meint dasselbe Stück.
Der Name hat sogar einen zweiten Weg in die Fachsprache gefunden: Der symmetrische Knoten wird gelegentlich türkischer Knoten genannt, der asymmetrische persischer oder Senneh-Knoten. Das ist historisch nicht ganz sauber — in Senneh selbst wird überwiegend asymmetrisch geknüpft, aber die Namensgebung stammt aus europäischen Handbüchern des neunzehnten Jahrhunderts und hat sich verselbständigt.
Für den Käufer heißt das vor allem eines: Zwei Angebote mit unterschiedlicher Schreibweise sind nicht zwei verschiedene Herkünfte. Man kann sie direkt vergleichen.
Was einen Senneh von anderen kurdischen Teppichen unterscheidet
Kordestān ist bekannt für schwere, feste Teppiche — der Bidjar aus derselben Provinz gilt als der festeste Teppich der persischen Tradition überhaupt. Der Senneh geht den entgegengesetzten Weg. Er ist dünn, leicht und fein gezeichnet, und in der Hand fühlt er sich eher wie ein Stadtteppich an als wie eine kurdische Arbeit.
Diese Feinheit hat einen technischen Grund. Der Flor wird kurz geschoren, und die Zeichnung setzt auf kleinteilige Muster, die eine hohe Dichte verlangen. Ein Herati-Grund mit seinen Rautenrahmen und Blattpaaren oder ein dichtes Botehfeld lassen sich bei zweihundertfünfzigtausend Knoten scharf zeichnen; bei der halben Dichte verschwimmen die Konturen.
Die kleinen Formate passen dazu. Ein feiner, kleinteilig gezeichneter Teppich entfaltet seine Wirkung aus der Nähe, und die typische Größe unter drei Quadratmetern ist genau die, bei der man die Zeichnung noch liest, statt sie nur als Farbfläche wahrzunehmen.
- Dünner Aufbau — Der Teppich lässt sich falten, anders als ein Bidjar.
- Kleinteilige Zeichnung mit scharfen Konturen, meist Herati- oder Botehgrund.
- Medaillonkomposition ist die Regel, nicht die Ausnahme.
- Baumwollkette, sichtbar an den hellen, glatten Fransen.
- Häufig gealtert — Viele Stücke im Handel sind zwanzig bis vierzig Jahre alt und zeigen eine ruhige Patina.
Für welchen Raum sich ein Senneh eignet
Die typische Größe macht die Antwort einfach: Senneh ist ein Teppich für einen Platz, nicht für einen ganzen Raum. Vor einem Bett, in einer Sitzecke, in einem Arbeitszimmer, im Flur — überall dort, wo man ihn aus zwei Metern Entfernung sieht und die Zeichnung noch erkennt.
Für einen Esstisch ist er in der Regel zu klein. Dort braucht man rund achtzig Zentimeter Umlauf über die Tischkante hinaus, und das erreichen nur die größeren Stücke der Gattung.
Der dünne Aufbau ist ein praktischer Vorteil in Räumen mit Türen, die knapp über dem Boden schließen. Ein zwölf Millimeter hoher Flor auf dünner Grundkonstruktion baut deutlich weniger auf als ein Bidjar oder ein Gabbeh und passt dort, wo dickere Teppiche klemmen.
Pflege
Saugen in Florrichtung, ohne rotierende Bürste. Bei kurz geschorenem Flor ist die rotierende Bürste besonders unnötig: Es gibt keinen tiefen Flor, aus dem sie Schmutz herausarbeiten müsste, und sie greift die Oberfläche an.
Flecken sofort mit klarem Wasser und einem hellen Tuch von außen nach innen abtupfen. Nicht reiben, weil bei feiner Zeichnung eine aufgeraute Stelle sofort sichtbar bleibt.
Ein dünner Teppich verträgt eine Antirutschunterlage gut und braucht sie auf glatten Böden meist auch — anders als ein schwerer Bidjar, der durch sein eigenes Gewicht liegen bleibt.
Senneh oder Bidjar?
Beide kommen aus der Provinz Kordestān, beide sind kurdische Arbeiten — und sie sind fast gegensätzlich gebaut. Die Wahl zwischen ihnen ist eine Entscheidung zwischen Feinheit und Festigkeit.
| Kriterium | Senneh | Bidjar |
|---|---|---|
| Aufbau | Dünn, lässt sich falten | Sehr dicht, nur rollbar |
| Knotendichte | 201.000 – 250.000 / m² | 441.000 – 500.000 / m² |
| Florhöhe | rund 12 mm, kurz geschoren | rund 15 mm |
| Typische Größe | Klein, oft unter 3 m² | Mittel bis groß |
| Charakter | Feine Zeichnung, städtisch wirkend | Schwer, robust, kantige Formen |
Häufige Fragen
Sind Senneh und Sanandadsch dasselbe?
Ja. Sanandadsch ist der heutige Name der Stadt, Senneh der ältere, der sich im Teppichhandel gehalten hat. Beide Schreibweisen bezeichnen dieselbe Herkunft und dieselbe Knüpftradition.
Was ist der Senneh-Knoten?
Eine gebräuchliche, aber historisch ungenaue Bezeichnung für den asymmetrischen Knoten, auch persischer Knoten genannt. Der Name stammt aus europäischen Handbüchern des neunzehnten Jahrhunderts. In Senneh selbst wird tatsächlich überwiegend asymmetrisch geknüpft, aber der Knoten ist dort weder erfunden worden noch auf die Stadt beschränkt.
Warum sind Senneh-Teppiche so viel dünner als Bidjar?
Der Flor wird kurz geschoren, und die Grundkonstruktion ist leichter gebaut. Der Bidjar wird dagegen nass geknüpft und mit einem Eisenkamm verdichtet, was ihn so fest macht, dass er sich nicht falten lässt. Beide kommen aus derselben Provinz, verfolgen aber gegensätzliche Ziele.
Eignet sich ein Senneh für stark begangene Räume?
Für einen Flur ja, für die Mitte eines Wohnzimmers mit täglichem Betrieb eher der dickere, dichtere Teppich. Der kurze Flor zeigt Laufspuren früher als ein hochfloriges Stück. Wo der Teppich vor allem gesehen und weniger begangen wird, spielt der Senneh seine Stärke aus.
Woran erkenne ich ein älteres Senneh-Stück?
An der Patina: Naturfarben verschieben sich über Jahrzehnte leicht ins Warme, ohne zu verblassen, und der Flor bekommt einen ruhigen Glanz, den neue Wolle nicht hat. Ein gleichmäßig abgelaufener Flor ist dabei kein Mangel, sondern ein Zeichen dafür, dass der Teppich benutzt und nicht geschont wurde.















