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Herkunft · Kordestān

Was ist ein Garrous-Teppich?

Ein Garrous ist ein handgeknüpfter Teppich aus dem Bezirk Garrus in der westiranischen Provinz Kordestān — derselben kurdischen Region, aus der auch der Bidjar kommt. Garrous-Arbeiten sind gröber geknüpft, hochfloriger und deutlich länglicher im Format. Anders als die meisten Herkünfte sind sie überwiegend keine Neuware.

Handgeknüpfter Garrous-Teppich, Gesamtansicht

Das Wichtigste in Kürze

  • Garrus liegt im selben kurdischen Gebiet wie Bidjar. Die Bauweise ist verwandt, die Ausführung gröber und großzügiger.
  • Typisch sind 201.000 bis 250.000 Knoten pro Quadratmeter bei 12 bis 15 Millimetern Flor — deutlich substanzieller als ein Stadtteppich.
  • Das verbreitete Format ist auffällig länglich, etwa 287 × 148 Zentimeter. Diese Galerieformate lagen traditionell in den langen Wohnräumen kurdischer Häuser.
  • Garrous-Stücke sind meist vier bis sechs Jahrzehnte alt. Sie sind gelaufen worden — und das sieht man ihnen im besten Sinn an.
  • Kette aus Baumwolle, Flor aus handgesponnener Hochlandwolle, keine Seide. Ein Gebrauchsteppich ohne Zierrat.

Herkunft: der große Bruder des Bidjar

Garrus ist ein Bezirk im Norden der Provinz Kordestān, unmittelbar benachbart zur Stadt Bidjar. Es ist dieselbe Landschaft: karges Bergland auf 1.700 bis 2.000 Metern, kurdisch besiedelt, mit langen Wintern und Schafherden, die im Sommer auf den Hochweiden stehen.

Im Teppichhandel wurde der Name lange als Sammelbegriff verwendet. Was aus der weiteren Region um Bidjar kam und nicht der feinen Stadtqualität entsprach, lief als Garrous. Historisch bezeichnete der Begriff vor allem die grossformatigen, gröber geknüpften Arbeiten — die Teppiche, die für den eigenen Gebrauch entstanden und nicht für den Export.

Diese Herkunft erklärt beides: die Verwandtschaft zum Bidjar in Wolle und Aufbau, und den Unterschied in der Ausführung. Ein Garrous ist kein misslungener Bidjar. Er ist ein Teppich, der von vornherein für andere Räume und andere Ansprüche geknüpft wurde.

Warum das Format so länglich ist

Das auffälligste Merkmal eines Garrous ist die Proportion. Mit rund 287 × 148 Zentimetern liegt das verbreitete Format bei einem Verhältnis von fast zwei zu eins — deutlich schmaler als die klassischen Wohnzimmerformate der Manufakturstädte.

Der Grund ist architektonisch. Traditionelle kurdische Wohnräume sind lang und schmal, mit Sitzflächen an den Längswänden. Ein Teppich, der diesen Raum füllen soll, folgt seiner Form. Was heute als Galerieformat gehandelt wird, war ursprünglich schlicht die Antwort auf einen Grundriss.

Für die Verwendung heute heisst das: Ein Garrous passt dorthin, wo ein quadratisch geschnittener Teppich zu klobig wirkt. Lange Flure, schmale Esszimmer, der Bereich vor einer Sitzbank, ein Raum mit ausgeprägter Längsachse. Welches Format zu welchem Raum passt, klärt der Ratgeber zur Teppichgrösse.

Warum diese Teppiche selten neu sind

Fast alle Herkünfte in diesem Haus sind Neuware, unter zwanzig Jahre alt. Garrous ist die Ausnahme: Die Stücke liegen typischerweise bei vier bis sechs Jahrzehnten.

Das hat einen einfachen Grund. Die grossformatige, gröbere Knüpfung, für die Garrous stand, ist im Iran weitgehend zurückgegangen. Was heute in der Region entsteht, orientiert sich an feineren Qualitäten oder an anderen Formaten. Die klassischen Garrous stammen also aus einer Produktion, die so nicht mehr läuft.

Praktisch bedeutet Alter bei einem Teppich dieser Bauweise wenig Nachteil und einen sichtbaren Vorteil. Der dichte Wollflor mit hohem Lanolinanteil nutzt sich langsam ab; nach vierzig Jahren Gebrauch hat er eine Patina, die kein neues Stück hat. Die Farben sind nachgereift, das Rot ist ruhiger, die Kontraste weicher.

Was Sie prüfen sollten, steht weiter unten. Alter ist bei einem gut gebauten Teppich kein Mangel — ungleichmässige Abnutzung dagegen schon.

So prüfen Sie einen Garrous

Bei einem Teppich, der schon Jahrzehnte in Gebrauch war, verschiebt sich die Prüfung vom Muster auf die Substanz:

  1. Die Florhöhe im VergleichFahren Sie mit der Hand von der Mitte zum Rand. Am Rand liegt der ursprüngliche Flor, in der Mitte der begangene. Ein deutlicher Höhenunterschied verrät, wie stark das Stück gelaufen wurde.
  2. Durchscheinende KetteTeilen Sie den Flor an einer stark begangenen Stelle. Sehen Sie die weissen Kettfäden, ist der Flor dort an der Grenze.
  3. Die EndenFransen und Endabschluss sind bei einem alten Teppich die verletzlichsten Stellen. Fest gearbeitete, unversehrte Enden sind das beste Zeichen für sorgfältige Behandlung.
  4. Die KantenPrüfen Sie die Umwicklung auf der ganzen Länge. Aufgeriebene Kanten lassen sich neu wickeln, aber es ist Facharbeit und sollte im Preis stehen.
  5. ReparaturenSuchen Sie auf der Rückseite nach Stellen mit abweichender Knotenstruktur oder Farbe. Eine saubere alte Reparatur ist unproblematisch, sollte aber genannt werden.

Muster und Farben

Garrous arbeitet überwiegend mit einem zentralen Medaillon auf durchgemustertem Feld. Die Zeichnung ist grösser und kantiger als beim Bidjar — was bei gröberer Knüpfung auch die richtige Entscheidung ist, weil feine Ranken hier verschwimmen würden.

Farblich dominiert Rot: ein warmes, mit den Jahrzehnten gereiftes Krapprot, dazu tiefes Indigo in den Bordüren und Elfenbein als Kontrast. Nach vierzig Jahren sind diese Töne nicht mehr die frischen Farben der Knüpfung, sondern ihre gealterte Fassung — gedämpfter, weicher ineinander übergehend.

Abrasch, die sanften Farbbahnen quer über das Feld, sind bei diesen Stücken besonders häufig und besonders gut sichtbar. Sie entstehen, wenn Wolle in kleinen Chargen gefärbt wurde und eine Charge während der Arbeit ausging. Bei einem Garrous gehören sie zum Charakter.

Wofür sich ein Garrous eignet

Der dicke Flor und die robuste Bauweise machen ihn zum Gebrauchsteppich im besten Sinn. Er hat vierzig Jahre überstanden; die nächsten vierzig sind kein Problem.

Das längliche Format ist die eigentliche Stärke. In einem langen Flur, einem schmalen Durchgangsraum oder vor einer Sitzbank an der Wand liegt er richtiger als jedes quadratische Format. Auch in einem grossen Raum als zweiter Teppich neben einem breiteren Stück funktioniert die Proportion gut.

Wer Neuware sucht, ist hier falsch. Ein Garrous zeigt Gebrauch — das ist die Kategorie. Wer dagegen einen Teppich mit Geschichte möchte, der nicht restauriert oder aufgearbeitet wurde, findet hier genau das.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Bei einem Teppich mit Vorgeschichte zählen andere Angaben als bei Neuware. Vier davon sollten Sie sich nennen lassen.

Erstens das Alter, und zwar als Spanne, nicht als Behauptung. Niemand kann ein Knüpfjahr belegen; eine seriöse Angabe lautet „40 bis 60 Jahre" und stützt sich auf Bauweise, Farbverhalten und Abnutzung. Wer ein exaktes Jahr nennt, erfindet es.

Zweitens der Zustand der Enden und Kanten. Das ist die häufigste Reparaturposition bei alten Teppichen und der Punkt, an dem sich Preisunterschiede erklären.

Drittens ob nachgeschoren wurde. Ein alter Teppich mit ungleichmässigem Flor wird gelegentlich nachgeschnitten, damit er frischer wirkt. Das nimmt Substanz, die nicht zurückkommt. Ein Hinweis darauf ist ein auffällig gleichmässiger Flor bei sonst deutlichen Alterungsspuren.

Und viertens die Herkunftsangabe selbst. Garrous ist im Handel kein geschützter Begriff und wurde historisch grosszügig verwendet. Fragen Sie nach der Knotendichte und dem Ursprungsland — bei uns steht beides bei jedem Stück in den technischen Angaben.

Garrous oder Bidjar?

Dieselbe Region, dieselbe Wolle, verwandte Bauweise — und trotzdem zwei verschiedene Teppiche. Der Unterschied liegt in Feinheit, Format und Alter.

KriteriumGarrousBidjar
Knotendichtetypisch 201.000–250.000 / m²typisch 441.000–500.000 / m²
Florhöhe12–15 mm15 mm
Formatlänglich, rund 287 × 148 cmrund 250 × 170 cm
Typisches Alter40–60 Jahreneu
Zeichnunggross, kantigfeiner, Herati-Detail

Zum ausführlichen Ratgeber: Was ist ein Bidjar-Teppich?

Häufige Fragen

Ist ein Garrous dasselbe wie ein Bidjar?

Nein, aber sie sind eng verwandt. Beide stammen aus der kurdischen Provinz Kordestān und verwenden dieselbe Hochlandwolle. Bidjar bezeichnet die feiner geknüpfte, nass verdichtete Stadtqualität; Garrous die gröberen, grossformatigen Arbeiten aus dem umliegenden Bezirk. Ein Garrous ist kein zweitklassiger Bidjar, sondern ein anderer Teppichtyp.

Warum sind Garrous-Teppiche fast immer gebraucht?

Weil diese Produktion weitgehend ausgelaufen ist. Was heute in der Region geknüpft wird, folgt anderen Qualitäten und Formaten. Die klassischen grossformatigen Garrous stammen aus einer Zeit, die vier bis sechs Jahrzehnte zurückliegt.

Ist ein 50 Jahre alter Teppich noch haltbar?

Bei dieser Bauweise ja. Ein dichter Wollflor mit hohem Lanolinanteil nutzt sich sehr langsam ab. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern wie gleichmässig gelaufen wurde und ob Kanten und Enden intakt sind. Ein gepflegter Garrous hat die längere Hälfte seiner Nutzungsdauer meist noch vor sich.

Was bedeutet Abrasch bei einem alten Teppich?

Sanfte Farbbahnen quer über das Feld, entstanden weil eine Färbecharge während der Arbeit ausging und die nächste minimal anders ausfiel. Bei alten Stücken sind sie ausgeprägter, weil die Töne unterschiedlich schnell nachgereift sind. Es ist ein Echtheitszeichen der Handfärbung, kein Mangel.

Passt ein längliches Format in ein normales Wohnzimmer?

Wenn der Raum eine Längsachse hat, sehr gut — etwa entlang einer Sitzbank oder zwischen Sofa und Fensterfront. In einem quadratisch geschnittenen Zimmer wirkt das Format dagegen schnell verloren. Dort ist ein Sarough oder Bidjar in klassischer Proportion die ruhigere Wahl.

Wie pflege ich einen alten Garrous?

Wie einen neuen, nur vorsichtiger an den Enden. In Florrichtung saugen, keine rotierende Bürste, halbjährlich drehen. Zusätzlich lohnt es, Fransen und Kanten einmal im Jahr anzusehen: Was dort früh gesichert wird, kostet einen Bruchteil einer späteren Flächenreparatur.

Muster im Überblick

Dieselbe Herkunft, verschiedene Entwürfe. Die Layouts, die Ihnen bei einem Garrous-Teppich am häufigsten begegnen.

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