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Herkunft · Nordostiran

Was ist ein Khorasan-Teppich?

Ein Khorasan ist ein handgeknüpfter Teppich aus dem Nordosten Irans, der größten zusammenhängenden Teppichregion des Landes. Handelsplatz ist die Pilgerstadt Maschhad. Khorasan ist keine einzelne Werkstatt und kein einzelnes Dorf, sondern eine Landschaft mit vielen Knüpftraditionen — was die Teppiche verbindet, ist Baumwollkette, kräftiger Wollflor und die Neigung zu großen Formaten.

Handgeknüpfter Khorasan-Teppich, Gesamtansicht

Das Wichtigste in Kürze

  • Khorasan bezeichnet eine Region, keine Stadtmanufaktur. Wer einen Khorasan kauft, kauft eine Landschaft mit mehreren Knüpfschulen — von grob geknüpften Nomadenarbeiten bis zu feinen Stadtteppichen.
  • Typisch sind rund 201.000 bis 250.000 Knoten pro Quadratmeter auf Baumwollkette, bei etwa zwölf Millimetern Florhöhe. Das ist die solide Mitte: fest genug für den täglichen Gebrauch, weich genug zum Barfußlaufen.
  • Die Region bringt überdurchschnittlich viele große Formate hervor. Wer einen Teppich für ein ganzes Wohnzimmer oder unter einen Esstisch sucht, wird hier eher fündig als bei den kleinformatigen Stadtmanufakturen.
  • Durchgemusterte Felder ohne zentrales Medaillon sind häufiger als in Täbris oder Kaschan. Das macht Khorasan-Teppiche unempfindlicher gegen Möbel, die einen Teil der Fläche verdecken.
  • Maschhad ist der Handelsname, nicht der Knüpfort. Ein als Maschhad gehandelter Teppich kann aus jedem Dorf der Region stammen.

Wo Khorasan liegt und warum das für den Teppich zählt

Khorasan ist der Nordosten Irans, eine Provinzgruppe an der Grenze zu Turkmenistan und Afghanistan. Historisch war es eine der reichsten Kulturlandschaften Persiens, und es ist bis heute die Region, aus der die meisten iranischen Teppiche kommen. Der Name taucht im Handel deshalb so oft auf, weil er eine Herkunft benennt, die viele Menschen kennen — nicht, weil er eine bestimmte Machart beschreibt.

Das hat eine praktische Folge für den Käufer: Khorasan ist eine Sammelbezeichnung. Zwischen einem grob geknüpften Stück aus einem Bergdorf und einer feinen Arbeit aus einer Maschhader Werkstatt liegen Welten, und beide dürfen Khorasan heißen. Wer einen Khorasan kauft, sollte deshalb weniger auf den Namen und mehr auf die Zahlen schauen: Knotendichte, Kettmaterial, Florhöhe.

Die Pilgerstadt Maschhad ist das Handelszentrum. Über ihre Basare läuft ein großer Teil der regionalen Produktion, und viele Teppiche tragen ihren Namen, obwohl sie hundert Kilometer entfernt geknüpft wurden. Das ist kein Etikettenschwindel, sondern eine gewachsene Handelskonvention — man sollte sie nur kennen.

Woran man einen guten Khorasan erkennt

Der erste Griff geht an die Rückseite. Eine saubere, gleichmäßige Knotenreihe ohne Wellen zeigt, dass die Spannung des Webstuhls über die Monate gehalten wurde. Bei einem großen Format ist das die schwerere Aufgabe: je breiter der Teppich, desto eher zieht sich das Gewebe an den Rändern.

Der zweite Blick gilt der Wolle. Handgesponnene Wolle aus der Region hat einen hohen Lanolinanteil, den man fühlt: der Flor greift sich etwas fettig an, und ein Tropfen Wasser bleibt einen Moment auf der Oberfläche stehen, bevor er einzieht. Maschinell gesponnene Wolle nimmt Flüssigkeit sofort auf und fühlt sich trockener an.

Der dritte Punkt ist die Farbe. Naturfarben aus Krapp, Indigo und Walnussschale altern anders als synthetische: sie werden nicht blass, sondern verschieben sich leicht ins Warme, und die Nuancen innerhalb einer Fläche unterscheiden sich minimal, weil kein Färbebad dem anderen gleicht. Diese Unregelmäßigkeit — Abrasch genannt — ist ein Qualitätszeichen, kein Mangel.

  1. Rückseite gleichmäßig, Knotenreihen ohne Wellen — besonders wichtig bei großen Formaten.
  2. Flor fühlt sich leicht fettig an, Wasser perlt einen Momenthandgesponnene Wolle mit Lanolin.
  3. Leichte Farbverschiebungen innerhalb einer Fläche sprechen für Naturfarben, nicht gegen die Qualität.
  4. Kette aus Baumwolle ist der Normalfall; Wollkette deutet auf eine nomadische Arbeit hin.
  5. Fransen sind die verlängerte Kette, nicht angenäht. Angenähte Fransen sind ein Warnzeichen.

Für welchen Raum sich ein Khorasan eignet

Die Region bringt viele Stücke jenseits von fünf Quadratmetern hervor, und genau dort liegt ihre Stärke. Ein Khorasan trägt eine Sitzgruppe, bei der die Vorderfüße von Sofa und Sesseln auf dem Teppich stehen, oder einen Esstisch samt zurückgeschobener Stühle — für vier Personen rechnet man rund achtzig Zentimeter Umlauf um die Tischkante.

Bei zwölf Millimetern Florhöhe und einer Dichte um 250.000 Knoten liegt der Teppich in einem Bereich, den man täglich begehen kann, ohne ihn zu schonen. Er ist kein Seidenteppich, der ein ruhiges Zimmer verlangt, sondern ein Gebrauchsstück im besten Sinn.

Weil viele Khorasan-Teppiche durchgemustert sind und kein zentrales Medaillon tragen, verzeihen sie Möblierung. Ein Sofa, das ein Drittel der Fläche verdeckt, zerstört keine Komposition — anders als bei einem Medaillonteppich, dessen Mitte den ganzen Entwurf trägt.

Pflege

Regelmäßig saugen, in Florrichtung und ohne rotierende Bürste. Die Florrichtung findet man, indem man mit der flachen Hand über den Teppich streicht: in die eine Richtung fühlt er sich glatt an, in die andere raut er sich auf. Glatt ist die Richtung, in die gesaugt wird.

Flecken sofort mit klarem Wasser und einem hellen Tuch von außen nach innen abtupfen, niemals reiben. Der Lanolinanteil der handgesponnenen Wolle verschafft dabei einen Moment Zeit, weil Flüssigkeit nicht sofort einzieht.

Den Teppich ein- bis zweimal im Jahr drehen, damit Licht und Tritt gleichmäßig ankommen. Bei großen Formaten in Wohnzimmern ist das der wirksamste einzelne Pflegeschritt: die Fensterseite bleicht sonst über Jahre sichtbar schneller aus als die Zimmerseite.

Khorasan oder Belutsch?

Beide kommen aus dem Nordosten Irans, und im Handel werden sie gelegentlich verwechselt. Sie sind aber verschiedene Objekte: der eine eine regionale Sammelbezeichnung mit Baumwollkette, der andere eine Stammesarbeit.

KriteriumKhorasanBelutsch
HerkunftstypRegion mit vielen KnüpfschulenStammesweberei, oft nomadisch
KetteBaumwolleHäufig Wolle
FormatOft groß, über 5 m²Meist klein bis mittel
FarbigkeitBreit, oft hellerDunkel, Rotbraun und Blauschwarz
MusterDurchgemustert oder MedaillonGeometrisch, oft Gebetsnische

Zum ausführlichen Ratgeber: Was ist ein Belutsch-Teppich?

Häufige Fragen

Ist Khorasan dasselbe wie Maschhad?

Nicht ganz. Khorasan ist die Region, Maschhad ihre größte Stadt und der Handelsplatz. Viele Teppiche der Region werden als Maschhad gehandelt, obwohl sie in Dörfern weit außerhalb geknüpft wurden. Der Name sagt also, wo der Teppich verkauft wurde, nicht zwingend, wo er entstand.

Welche Knotendichte ist bei einem Khorasan normal?

Der häufigste Bereich liegt bei 201.000 bis 250.000 Knoten pro Quadratmeter. Feinere Arbeiten aus städtischen Werkstätten erreichen 441.000 bis 500.000. Beides sind übliche Werte; die höhere Dichte erlaubt feinere Zeichnung, die niedrigere gibt einen kräftigeren, robusteren Flor.

Eignet sich ein Khorasan für den Esstisch?

Ja, und die Region ist dafür besonders geeignet, weil sie viele große Formate hervorbringt. Wichtig ist der Umlauf: rund achtzig Zentimeter über die Tischkante hinaus, damit ein Stuhl beim Zurückschieben nicht über die Teppichkante kippt. Für einen Vierertisch heißt das meist mindestens 250 auf 200 Zentimeter.

Warum haben viele Khorasan-Teppiche kein Medaillon?

Durchgemusterte Felder sind in der Region verbreiteter als die Medaillonkomposition der Stadtmanufakturen. Für den Käufer ist das ein praktischer Vorteil: ein Teppich ohne Mittelpunkt verträgt Möbel, die einen Teil der Fläche verdecken, ohne dass die Komposition verloren geht.

Wie unterscheide ich handgesponnene von maschinell gesponnener Wolle?

Handgesponnene Wolle ist im Faden minimal ungleichmäßig und enthält noch Lanolin. Sie fühlt sich etwas fettig an, und ein Tropfen Wasser steht einen Moment auf der Oberfläche, bevor er einzieht. Maschinelle Wolle ist gleichmäßiger, trockener im Griff und saugt sofort.

Muster im Überblick

Dieselbe Herkunft, verschiedene Entwürfe. Die Layouts, die Ihnen bei einem Khorasan-Teppich am häufigsten begegnen.

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