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Herkunft · Zentraliran

Was ist ein Qom-Teppich?

Ein Qom ist ein handgeknüpfter Teppich aus der zentraliranischen Pilgerstadt Ghom. Die Stadt ist berühmt für außerordentlich feine Seidenteppiche, in denen eine sehr dichte Knüpfung Miniaturdetails erlaubt. Es gibt sie aber ebenso in Wolle auf Baumwollkette — dieselbe Zeichenkunst, deutlich belastbarer und zu einem Bruchteil des Preises.

Handgeknüpfter Qom-Teppich, Gesamtansicht

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Ruf der Stadt gründet auf Seide. Wolle auf Baumwollkette ist die zweite, praktischere Linie derselben Werkstätten.
  • Rund 490.000 Knoten pro Quadratmeter bei etwa zehn Millimetern Flor — für einen Wollteppich sehr fein.
  • Die Zeichnung ist floral und kleinteilig: Ranken, Blüten, Gartenmotive, oft bildhaft aufgebaut.
  • Die Formate sind auffallend klein, häufig unter zwei Quadratmetern. Qom ist ein Teppich für einen Platz, nicht für einen Raum.
  • Ghom ist eine junge Teppichstadt: Die Knüpferei begann dort erst im zwanzigsten Jahrhundert — und erreichte schnell Spitzenniveau.

Seide oder Wolle — was Sie wirklich vor sich haben

Wer Qom hört, denkt an Seide. Der Ruf der Stadt gründet auf Teppichen aus reiner Seide, bei denen eine extrem dichte Knüpfung Details in Miniaturgröße erlaubt und die Oberfläche je nach Blickwinkel den Glanz wechselt. Diese Stücke sind eine eigene Preisklasse.

Dieselben Werkstätten knüpfen aber auch in Wolle auf Baumwollkette, und diese Linie ist im Handel häufiger. Die Zeichenkunst ist dieselbe — floral, kleinteilig, oft bildhaft —, nur eben in einem Material, das begangen werden darf.

Für den Käufer ist das die wichtigste Unterscheidung überhaupt. Ein Wolle-Qom kostet einen Bruchteil, verträgt Verkehr und Sonne deutlich besser und braucht keine Sonderbehandlung. Ein Seiden-Qom ist ein Kunstwerk, das man an die Wand hängt oder in eine ruhige Ecke legt. Die Fransen verraten, was man hat: Seide ist dünn, glänzend und kühl, Baumwolle matt und weich.

Warum die Formate so klein sind

Qom-Teppiche sind auffallend klein — viele unter zwei Quadratmetern. Das hat zwei Gründe, und beide haben mit der Feinheit zu tun.

Der erste ist Arbeitszeit. Bei rund einer halben Million Knoten pro Quadratmeter braucht jeder zusätzliche Quadratmeter Monate. Ein großformatiger Qom ist deshalb ein Jahresprojekt und entsprechend selten.

Der zweite ist die Wirkung. Die Zeichnung ist so kleinteilig, dass sie aus fünf Metern nicht mehr gelesen wird. Ein Qom entfaltet sich aus zwei Metern Entfernung — und genau dafür ist das kleine Format gemacht.

  1. Fransen prüfenBaumwolle matt und weich, Seide dünn, glänzend, kühl.
  2. Rund 490.000 Knoten — für Wolle sehr fein, aber weit unter einem Seiden-Qom.
  3. Kurzer Flor von rund zehn Millimetern für scharfe Konturen.
  4. Florale, kleinteilige Zeichnung, oft mit Gartenmotiven.
  5. Kleine Formatefür eine Ecke, nicht für einen Raum.

Für welchen Raum sich ein Qom eignet

Ein bis drei Quadratmeter sind die Größe für einen Platz: vor einem Sessel, neben einem Bett, in einem Arbeitszimmer, in einem Eingangsbereich mit wenig Verkehr.

Der Wolle-Qom verträgt dabei mehr als sein seidener Namensvetter. Zehn Millimeter Flor auf Baumwollkette sind ein normaler Gebrauchsaufbau — kein Grund, den Teppich zu schonen.

In der Mitte eines großen Raums wirkt ein Format unter zwei Quadratmetern schnell verloren. Wer Fläche möblieren will, ist bei einer anderen Gattung besser aufgehoben; Qom ist ein Detail, kein Fundament.

Pflege

Saugen in Florrichtung, ohne rotierende Bürste. Bei kurz geschorenem Flor gibt es keinen tiefen Schmutz, den eine Bürste lösen müsste.

Flecken sofort mit klarem Wasser und hellem Tuch abtupfen, nie reiben — bei feiner Zeichnung bleibt eine aufgeraute Stelle sichtbar.

Ein Wolle-Qom braucht keine Sonderbehandlung. Wäre es ein Seidenstück, gälte das Gegenteil: nicht ausklopfen, nicht in direkte Sonne, Grundreinigung nur fachkundig.

Qom oder Isfahan?

Beide sind zentraliranische Manufakturstädte mit feiner, floraler Zeichnung. Der Unterschied liegt im Aufbau und in der Größenordnung.

KriteriumQom (Wolle)Isfahan
KetteBaumwolleSeide
FlorHandgesponnene WolleWolle mit Seidenanteil
Knotendichterund 490.000 / m²640.000 – 1.000.000 / m²
Typische Größeunter 3 m²2,5 – 3,5 m²
BelastbarkeitNormaler Gebrauch möglichRuhige Lage empfohlen

Zum ausführlichen Ratgeber: Was ist ein Isfahan-Teppich?

Häufige Fragen

Ist jeder Qom aus Seide?

Nein. Die Stadt ist für Seidenteppiche berühmt, dieselben Werkstätten knüpfen aber ebenso in Wolle auf Baumwollkette. Die Wolllinie ist im Handel häufiger, deutlich günstiger und belastbarer. Ein Blick auf die Fransen genügt: Seide ist dünn, glänzend und kühl, Baumwolle matt und weich.

Qom oder Ghom?

Dieselbe Stadt. Ghom ist die im Deutschen gebräuchliche Umschrift, Qom die international übliche. Beide Schreibweisen bezeichnen dieselbe Herkunft.

Warum sind Qom-Teppiche so klein?

Wegen der Feinheit. Bei rund einer halben Million Knoten pro Quadratmeter kostet jeder zusätzliche Quadratmeter Monate Arbeit. Dazu kommt, dass die kleinteilige Zeichnung aus der Nähe wirkt — im großen Format verliert sie ihren Reiz.

Ist Ghom eine alte Teppichstadt?

Nein, eine junge. Die Knüpferei begann dort erst im zwanzigsten Jahrhundert, deutlich später als in Täbris, Kaschan oder Esfahan. Innerhalb weniger Jahrzehnte erreichte sie trotzdem Spitzenniveau — ein ungewöhnlicher Fall in einer Tradition, die sonst in Jahrhunderten rechnet.

Kann ich einen Wolle-Qom im Flur benutzen?

Ja. Zehn Millimeter Wollflor auf Baumwollkette sind ein normaler Gebrauchsaufbau. Nur bei einem Seidenstück wäre der Flur der falsche Platz.

Muster im Überblick

Dieselbe Herkunft, verschiedene Entwürfe. Die Layouts, die Ihnen bei einem Qom-Teppich am häufigsten begegnen.

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