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Herkunft · Südostiran

Was ist ein Kerman-Teppich?

Ein Kerman ist ein handgeknüpfter Teppich aus der gleichnamigen Wüstenstadt im Südosten Irans. Die Webgeschichte reicht bis ins fünfzehnte Jahrhundert zurück, zu den safawidischen Hofwerkstätten, in denen die berühmten Vasenteppiche entstanden. Kennzeichen sind helle, leuchtende Gründe — Elfenbein, Altrosa, Sanftblau — mit üppiger, kurviger Zeichnung.

Handgeknüpfter Kerman-Teppich, Gesamtansicht

Das Wichtigste in Kürze

  • Kerman ist eine der ältesten Teppichstädte Persiens; die Tradition reicht bis zu den safawidischen Hofwerkstätten des fünfzehnten Jahrhunderts.
  • Die Farbgebung ist hell und leuchtend: Elfenbein, Altrosa und Sanftblau statt der tiefen Rot- und Blautöne der klassischen Zentren.
  • Die Zeichnung ist durchweg kurvig und floral — keine geometrischen Kanten.
  • Die Stücke im Bestand liegen bei rund 190.000 Knoten pro Quadratmeter auf Baumwollkette, bei etwa zwölf Millimetern Flor.
  • Ravar und Rafsanjan gehören zur selben Weblandschaft und benennen Orte innerhalb der Provinz genauer.

Eine Wüstenstadt mit Hofgeschichte

Kerman liegt in einer Oase im Südosten Irans, weit ab von den nordwestlichen Zentren. Trotzdem — oder gerade deshalb — gehört die Stadt zu den ältesten und angesehensten Teppichadressen des Landes. Ihre Werkstätten arbeiteten schon im fünfzehnten Jahrhundert für den safawidischen Hof.

Aus dieser Zeit stammen die Vasenteppiche, eine Gruppe von Stücken mit einem eigenwilligen Aufbau: Gefäße, aus denen Blütenranken in mehreren übereinandergelegten Gitternetzen aufsteigen. Sie zählen zu den bekanntesten Erzeugnissen der persischen Teppichkunst überhaupt und stehen heute in Museen.

Für den Käufer von heute ist davon vor allem eines geblieben: die Handschrift. Kerman zeichnet floral und kurvig, nie geometrisch, und arbeitet mit hellen Gründen, wo andere Zentren ins Tiefe gehen. Das macht die Stadt zur Ausnahme im persischen Kanon.

Die helle Palette

Täbris, Kaschan, Bidjar — die meisten großen Namen arbeiten mit tiefem Krapprot und Indigo. Kerman geht den anderen Weg: Elfenbein, Altrosa, ein weiches Blau, dazu Grüntöne, die in der persischen Tradition selten sind.

Das ist keine moderne Anpassung, sondern die historische Handschrift der Stadt. Sie hat einen praktischen Vorteil: Ein heller Teppich schluckt weniger Licht und lässt einen Raum größer wirken, während ein dunkler ihn zusammenzieht.

Der Preis dafür ist Empfindlichkeit. Auf einem hellen Grund hat ein Fleck nichts, wohinter er sich verstecken könnte. In einem formellen Wohnzimmer ist das selten ein Problem, in einem Flur mit täglichem Betrieb schon.

  1. Helle GründeElfenbein, Altrosa, Sanftblau.
  2. Durchweg kurvige, florale Zeichnung ohne geometrische Kanten.
  3. Baumwollkette mit hellen, glatten Fransen.
  4. Rund 190.000 Knoten bei etwa zwölf Millimetern Flor.
  5. Ravar und Rafsanjan benennen Orte derselben Provinz.

Für welchen Raum sich ein Kerman eignet

Die florale, formelle Anmutung passt in Räume mit einer gewissen Ordnung — eine Sitzgruppe, ein Esstisch, gerahmte Bilder. In einem bewusst rohen Interieur wirkt sie fremd.

Der helle Grund öffnet einen Raum. In einem nordseitigen Zimmer oder neben dunklen Möbeln ist das ein spürbarer Unterschied.

Weil viele Stücke ein Medaillon tragen, will die Mitte frei bleiben. Ein Sofa, das den halben Teppich verdeckt, nimmt einer Medaillonkomposition genau das, was sie ausmacht.

Pflege

Saugen in Florrichtung, ohne rotierende Bürste.

Flecken sofort mit klarem Wasser und hellem Tuch von außen nach innen abtupfen. Auf hellem Grund zählt Schnelligkeit mehr als bei einem dunklen Teppich.

Ein- bis zweimal im Jahr drehen. Helle Teppiche zeigen einseitige Ausbleichung deutlicher als dunkle.

Kerman oder Ravar?

Beide gehören zur Kerman-Weblandschaft und teilen die florale Handschrift. Ravar ist die feine Linie derselben Provinz.

KriteriumKermanRavar
BezeichnungStadt und ProvinzOrt innerhalb der Provinz
Knotendichterund 190.000 / m²typisch 321.000–380.000 / m²
Feldgefüllt, floraloft offen um das Medaillon
Farbigkeithell: Elfenbein, Altrosahell, zurückhaltend
Bekanntheiteiner der großen Namendie feine Linie für Kenner

Zum ausführlichen Ratgeber: Was ist ein Ravar-Teppich?

Häufige Fragen

Was ist ein Vasenteppich?

Eine Gruppe safawitischer Teppiche aus Kerman, bei denen Blütenranken aus Gefäßen aufsteigen und sich in mehreren übereinandergelegten Gitternetzen über das Feld ziehen. Sie entstanden ab dem sechzehnten Jahrhundert und gelten als eine der Höchstleistungen der persischen Teppichkunst. Museumsstücke, keine Handelsware.

Warum sind Kerman-Teppiche so viel heller als andere Perser?

Das ist die historische Handschrift der Stadt. Wo Täbris und Kaschan mit tiefem Krapprot und Indigo arbeiten, setzt Kerman auf Elfenbein, Altrosa und weiches Blau. Für helle Räume ist das ein Vorteil; auf hellem Grund zeigt sich allerdings jeder Fleck.

Was ist der Unterschied zu Ravar und Rafsanjan?

Alle drei gehören zur Kerman-Weblandschaft. Kerman ist Stadt und Provinz zugleich und der bekannteste Name; Ravar ist historisch die feine Linie mit offenem Feld; Rafsanjan liegt ebenfalls in der Provinz und knüpft deutlich dichter.

Eignet sich ein Kerman für stark begangene Räume?

Weniger. Der helle Grund zeigt Laufspuren und Flecken früher als ein dunkler Teppich. In einem formellen Wohn- oder Esszimmer ist er richtig, in einem Flur mit täglichem Betrieb eher nicht.

Woran erkenne ich die Kerman-Zeichnung?

An der Rundung. Kerman arbeitet durchweg kurvig und floral: geschwungene Ranken, Palmetten, weiche Übergänge. Wo Kanten gestuft und Medaillons eckig sind, hat man eine Dorf- oder Stammesarbeit vor sich, keine Kerman-Tradition.

Muster im Überblick

Dieselbe Herkunft, verschiedene Entwürfe. Die Layouts, die Ihnen bei einem Kerman-Teppich am häufigsten begegnen.

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